Die Provence. Rosmarin. Thymian. Grün auf Lehm - südländischer Zauber. Pünktlich zu unserer Ankunft in Aix-en-Provence am Sonntagmorgen hörte der nächtliche Dauerregen auf und die Sonne stand Spalier, als wir auf dem Weg zur Jugendherberge die Avenue de Tübingen entlang cruisten. Die Sonne war es auch, die die uns umgebenden Plattenbauten (ausserhalb der traumhaften Aixer Altstadt regiert der Beton) derart malerisch umschmeichelte, dass wir der Idee verfielen, die Fenster hinunterzukurbeln und die patentierte „Kräuter der Provence“-Luft zu schnuppern. Und da passierte es: die erste Polle witterte ihre Chance, flog zielstrebig ins Auto hinein, wirbelte kurz herum wie ein neu geborenes Quallenjunges, machte sein Opfer aus und steuerte in dessen linkes Nasenloch hinein, penetrierte es tief, bis zum Anschlag, ja, vielleicht sogar bis zum Hirn. Gesundheit!
Dies ist vielleicht der richtige Moment für einen kurzen Flashback. Zwei großartige Konzerte liegen hinter uns. Auf dem Open Ohr in Mainz am Freitag war die Luft regenklar und unser Backstage ein Wohnwagen. Dieser Wohnwagen euphorisierte uns dermaßen. Als dann noch die Bühne ein Traum war und die Leute auch Bock hatten, brachen alle Dämme. Am nächsten Tag fuhren wir nach Göggingen zum No Stress Festival, wissend, dass dort der HipHop-Bartl den Most holt. Offensichtlich ist auch die Sonne Rap-Fan, und als wir durch die lichtdurchflutete Waldzauberlandschaft auf dem Festivalgelände schlenderten, war uns allen warm ums Herz. Was folgte war ein hochenergetischer Auftritt, während dessen sich die positive Spannung zwischen Publikum und Band in einem einstündigen Wohlfühl-Gewitter entlud. Checkt das Video - Mit tausend Dank an den Schaffer Moritz Drath!
Mit diesen Bildern im Kopf fuhren wir direkt vom No Stress Richtung Frankreich. Auf dem Weg dorthin kamen noch so einige Bilder dazu: kaputte Rücklichter, Regen, der gegen die Windschutzscheibe prasselt, Vögel, die gegen die Windschutzscheibe prasseln, alle Tankstellen der schwäbischen Alb, ein brennender Traktor (kein Witz).
Zurück zu den Pollen. Denn die Provence ist mehr als pittoreske Klösterchen auf markanten Felsen und Kir Royal an den Promenaden der Cote d’Azur. Die Provence ist Pollenland. Hier hat jeder Heuschnupfen. Immer.
Am Nachmittag lernten wir unsere Tourbetreuerin kennen, Aurélie. Wir niesten höflich zur Begrüßung, wie es sich hierzulande gehört. Gemeinsam fuhren wir dann auf den Cours Mirabeau, dem Herz der Aixer Innenstadt, wo wir am Abend auf dem C’est Sud Festival spielen sollten. Durch einen Schleier aus Pollen verschiedenster Größen konnten wir die riesige Freilichtbühne und die zugehörige Tribüne ausmachen. Nach unserem Soundcheck drückten wir uns hinter der Bühne herum und betrachteten Augen reibend das Spektakel, das sich auf der Bühne bot. Festivals sind anders in Frankreich! Wir waren die einzige „normale“ Band, der Abend war gefüllt mit waghalsiger Akrobatik, ausufernden Tanzdarbietungen, Brass Bands, Trommelgruppen, Chören und Pollen. Eine sehr angenehme Atmosphäre herrschte da, und so empfing das Publikum auch uns mit offenen Armen und feierte mit uns – und das, obwohl sie vermutlich kein Wort von uns verstanden (abgesehen von den Menschen vom Musikverein Hagelloch, die uns eisern feierten). Ein toller Empfang, das muss man sagen, der Lust macht auf das, was noch vor uns liegt (abgesehen von diesen dummen Pollen!)!
Doch bevor es am Dienstag in die Schulen geht, erholten wir uns am Montag ausgiebig bei einem Kir Royal an der Cote d’Azur.

Ende Teil 1, stay tuned für mehr Texte, Bilder und Videos!
Euer LL



